Anfang März, im Innenhof
von Markus Sehl
Anfang März, im Innenhof
Am Tag, nach dem diese kleine Eisläuferin im Finallauf einen vierfachen Salchow versuchte, sie war dabei zunächst scheu, ganz bei sich ein paar Runden über die Fläche geschwebt, gepirscht, hatte abgehoben, war in die Höhe geschnellt, wirbelte eine Bewegung, peitschte wie ein Schuss in der Halle, berührte sie dann wieder das Eis mit der Kufenspitze, ich glaube es war der linke Fuß, muss der Linke gewesen sein, es war als habe sie die Schraubfigur schon beendet, schon wollte ihr ein Lächeln gelingen, da ein Zucken, von ihrem Fuß aus durch den Körper fahrend, alle sahen, dass sie die Kraft ihrer Drehung nicht aushielt, sie hatte zuviel Schwung hineingelegt, knickte ein, brach in sich zusammen, das Eis unter ihr blieb hart, wollte nicht nachgeben, sie die Figur ausgleiten lassen, zwang sie einzubrechen, auszuschlittern, das Gesicht auf die glatte Fläche gedrückt, keine Blicke für die Welt, rutschte sie aus dem Bild, just an dem Tag danach traf ich meinen Nachbarn Konrad im Hof und er hatte einen schwarzen Regenschirm bei sich.
Konrad zog den Schal enger um seinen Hals und wir knirschten auf dem aufgetauten Streusalz. Von dem Sturz der kleinen Eisläuferin hatte er nicht gehört. Ich zeigte auf eine schattige Stelle im Hof, dort lag eine Taube, die mit ihrem Kopf in einem letzten grauen Schneehaufen steckte.
Sprünge und Läufe
Wenn ich als Literaturpreisträger
Ich als Mensch, liebes Notizbuch,
Pedantisch
Oh je!
Um noch einmal
Syntax und Dynamik
Wenn der Aufbau stimmig ist, erübrigt sich auch die Wiederholung des "just an dem Tag danach" .... Ich habe mal versucht die genannten Punkte umzusetzen:
Am Tag, nach dem diese kleine Eisläuferin im Finallauf einen vierfachen Salchow versuchte, bei dem sie zunächst scheu, ganz bei sich ein paar Runden über die Fläche schwebte, pirschte, sodann abhob, in die Höhe geschnellt, eine Bewegung wirbelte, die wie ein Schuss in der Halle peitschte, dann wieder das Eis berührte mit der Kufenspitze, ich glaube der des linken Fußes, der linke muss es gewesen sein, und als es war als habe sie die Schraubfigur schon beendet, als wollte ihr ein Lächeln schon gelingen, sich ein Zucken löste, von ihrem Fuß aus durch den Körper fahrend - alle sahen, dass sie die Kraft ihrer Drehung nicht aushielt, sie hatte zuviel Schwung hineingelegt, knickte ein, brach in sich zusammen, das Eis unter ihr blieb hart, wollte nicht nachgeben, sie die Figur ausgleiten lassen, zwang sie einzubrechen, auszuschlittern - und sie, das Gesicht auf die glatte Fläche gedrückt, keine Blicke für die Welt, aus dem Bild rutschte, traf ich meinen Nachbarn Konrad im Hof und er hatte einen schwarzen Regenschirm bei sich.
Abgesehen von der Syntax finde ich aber auch die Reihenfolge mitunter befremdlich. Wieso beispielsweise bricht sie erst ein und schlittert dann aus?
Die Einfachheit und Banalität (...schwarzer Regenschirm...) kontrastiert aber äußerst gelungen.
Und das Bild mit der Taube: Großartig.

